London2012: Ein Fackelläufer erzählt

Nicht nur Andy Murray und Lewis Hamilton waren Fackelläufer, auch der Schaffhauser Beat Wittwer hatte die Ehre, das olympische Feuer durch London zu tragen.

Er kann sein Glück noch immer kaum fassen.

Beat Wittwer ringt noch immer nach Worten. «Diese vielen Emotionen! Es war so unglaublich schön.» Der 27-Jährige hat erlebt, wovon viele nur träumen können: Er hat an den Olympischen Spielen teilgenommen. Als Fackelläufer trug er am Sonntag das olympische Feuer durch London.

Wittwer redet schnell, versucht, die Ereignisse zu ordnen, das Erlebte zu verarbeiten. «Das ist nicht in Worte zu fassen», sagt er. Letztes Jahr hat er die Ausschreibung von Samsung, dem Sponsor des olympischen Fackellaufs, gesehen. «Jeder, der freiwillig soziale Dienste leistet, konnte sich anmelden», erzählt der Schaffhauser.

«Ich dachte, das sei ein Witz»

Weil Wittwer in der Feuerwehr ist und sich im Turnverein engagiert, meldet er sich an. «Ich dachte mir nicht viel dabei», so der 27-Jährige. Lange hört er nichts, doch Anfang dieses Jahres flattert plötzlich ein Schreiben in seinen Briefkasten. «Darin stand, dass ich nach London fliegen dürfe», erzählt Wittwer. Er traut seinen Augen kaum, freut sich zuerst nur verhalten. «Ich dachte, das sei ein Witz.»

Trotzdem füllt er die verschiedenen Papiere aus, gibt an, wen er mitnimmt, was er essen will. Stück für Stück trudeln die Informationen zu seinem Gewinn beim Schaffhauser ein, Ende Mai steht es definitiv fest: Wittwer reist an die Olympischen Spiele. «Irgendwann habe ich realisiert: Es ist wirklich wahr.»

Am Freitag, 20. Juli beginnt Wittwers Märchen. Mit einem Freund besteigt er das Flugzeug und reist in die englische Hauptstadt. Was er dort erlebt, überwältigt ihn. «Wir wurden auf Händen getragen, durften in einem 5-Sterne-Hotel mitten in London übernachten», erzählt er begeistert. Rund um die Uhr werden sie umsorgt. Sogar der Freund bekommt einen eigenen Chauffeur.

«Der Aufenthalt wurde von Stunde zu Stunde besser», erzählt der Sportbegeisterte. «Es war verrückt!» Dann kommt der Tag, von dem Wittwer noch seinen Enkelkindern erzählen wird: Er darf das olympische Feuer tragen. In einem Bus werden die Fackelläufer durch die Stadt chauffiert, dann endlich darf Wittwer aussteigen und seine persönliche Fackel an jener der Vorläuferin entzünden.

«Leute aus allen Ländern standen an der Strasse, riefen mir zu und jubelten», erzählt Wittwer. «Es war ein ganz besonderer Moment.» Rund 300 Meter beträgt seine Strecke durch London Borough of Bexley, ein Viertel im Osten der Stadt. Dann ist Wittwers olympischer Moment wieder vorbei. Doch die Erinnerungen dauern an. Mit dem 1200 Franken teuren Stück im Gepäck verlässt er London und reist zurück nach Schaffhausen. Im Moment steht die Fackel noch im Wohnzimmer, aber bald will er sie «irgendwo ins Cheminée einbauen».

(Bericht aus 20min Online)


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